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Feuersbrunst

Februar 19th, 2009 · No Comments

In Australien lodern seit Wochen die schlimmsten Waldbrände in der Geschichte des Landes; vor allem in den Provinzen New South Wales und Victoria. Dutzende Siedlungen wurden bereits zerstört und die Zahl der sicher bestätigten Todesopfer ist sehr hoch, wobei die Behörden noch von wesentlich mehr Opfern ausgehen, die in den bis auf die Grundmauern niedergebrannten Ortschaften noch nicht geborgen werden konnten. Die hohe Opferzahl erklärt sich zum einen mit der rasend schnellen Geschwindigkeit, mit der sich die Feuersbrunst in dem völlig ausgetrockneten Land ausbreitet und über die Siedlungen hinweg rast, wo es außerdem vielen Menschen schwer fällt, alles zurückzulassen, was sie besitzen.

Viele versuchen, bis zum letzten Augenblick gegen die heranstürmenden Flammen zu kämpfen und fliehen entweder erst im allerletzten Moment oder sterben in der Flammenhölle. In bereits untersuchten Ortschaften entdeckte die Feuerwehr die sterblichen Überreste von in Panik geflohenen Menschen in Swimmingpools, Badewannen und sogar Kühlschränken. Viele Opfer wurden auch auf der Flucht von den Flammen eingeholt und starben in den Feuerstürmen mit bis zu 50 Meter hohen Flammen, die im Kern über tausend Grad heiß werden und somit die schmelzenden Fluchtfahrzeuge zu Todesfallen werden ließen. Eine zweite Ursache für die vielen Opfer ist das Fehlen eines Warnsystems, beispielsweise telefonisch oder über SMS, so dass viele Menschen unvorbereitet von den rasenden Feuerwänden getroffen wurden oder, nachdem sie im Radio gewarnt worden waren, viel zu wenig Zeit hatten, um noch zu fliehen. Die Feuerwehr in New South Wales hat bereits die Einrichtung eines Warndienstes per SMS gefordert, der zukünftig die Bevölkerung rechtzeitig alarmieren und den Menschen genügend Zeit zur Flucht verschaffen soll. Eine derartige Einrichtung ist auch seit Jahren im Gespräch, jedoch scheitert eine Umsetzung immer wieder an Datenschutzfragen oder der Finanzierung, ein Versäumnis, für das nun Unschuldige bitter bezahlen müssen. Man denkt fast, selbst in die technische Weiterentwicklung von Dosieranlagen würde mehr investiert, als in die Warnsysteme für Naturkatastrophen.

Die Feuer finden außerdem in den südlichen Provinzen des Landes im trockenen Buschvorland großer Städte wie Melbourne oder Sydney ideale Bedingungen vor, denn dort hat es zum Teil seit Jahren gar nicht oder nur in unbedeutenden Mengen geregnet. Zudem leidet Australien in den vergangenen Wochen unter einer dramatischen Hitzewelle mit Temperaturen noch jenseits der fünfzig Grad, die ihr Übriges dazu beigetragen hat, um Bäume und Sträucher trocken wie Zunder werden zu lassen. Aus dem ganzen Land sind mittlerweile tausende Feuerwehrmänner, Hilfskräfte und Löschgeräte nach Süden gebracht worden und helfen bei der Bekämpfung der immer noch lodernden Feuer. Zudem besteht momentan die Gefahr, dass sich bei einer Veränderung der Windverhältnisse, drei besonders große Brandkomplexe zu einer einzigen riesigen Feuerwand vereinigen und über zahlreiche, bisher verschont gebliebene Siedlungen herfallen.

Nach Polizeiangaben gilt zumindest bei einem Teil der Brände als sicher, dass sie gezielt gelegt wurden, was bei einer Ergreifung der Täter zu sicheren lebenslangen Freiheitsstrafen führen würde. In diesem Zusammenhang sprach der australische Regierungschef bereits von Massenmord. Angesichts der hochemotionalen Lage in Australien wäre in diesem Fall wohl auch zu befürchten, dass etwaige Brandstifter Opfer von Lynchjustiz werden könnten. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung wurden nun auch erstmals zwei Männer wegen des Verdachts auf Brandstiftung von der Polizei verhaftet.
Das Feuer gilt mittlerweile als schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Australiens mit viel zu vielen Todesopfern, 5000 Obdachlosen, über 1000 zerstörten Häusern und 450.000 Hektar verbranntem Land. Einige der niedergebrannten Ortschaften wie zum Beispiel Marysville in Victoria sind immer noch gesperrt. Den überlebenden Einwohnern dieser Orte ist die Rückkehr dorthin verboten, da Feuerwehr und Polizei dort erst noch mögliche weitere Leichen aus den Trümmern bergen wollen, auch um noch weitere, traumatische Erlebnisse zu vermeiden. Was als bittere Ironie zu den Bränden im Süden des Landes hinzukommt, sind die verheerenden Überschwemmungen in den nördlichen Landesteilen, ausgelöst durch Sintflutartige Regenfälle, die im Süden geradezu herbeigesehnt werden. Manchmal wünscht man sich, auch das Wetter durch Dosieranlagen bestimmen zu können.